Nach 4 Monaten Kambodscha

Wer wir sind!
Unsere Reise!
Hilfsorganisationen!

Wir sind Klaus Breuer und Andrea Künstle aus Berlin, genauer aus Oberschöneweide. Vor 5 Jahren sind wir in die große Stadt gezogen, beruflich, und haben uns entschieden im Winter fremde Länder zu bereisen, mit dem Fahrrad, unseren Brompton Falträdern. Ich bin Fotografin und Fahrradguide, Klaus ist Programmierer und kann von überall arbeiten, wenn er Internetzugang hat.
Wir haben uns für Kambodscha entschieden. Wahrscheinlich, weil wir einfach noch fast nichts über dieses Land wußten und die Berichte dazu oft zu oberflächlich, zu romantisch verklärt, zu negativ, zu positiv, zu historisch, zu einseitig erscheinen. Es scheint, als ob einer vom anderen abschreibt, meistens geht es um die unglaublich freundlichen Menschen oder um Angkor Wat, oder um die Partys, die Spinnen, die angeblich alle Kambodschaner essen, oder um die Volontäre, die hier innerhalb der Hilfsorganisation so großartige Arbeit leisten.
Ist das Kambodscha?

Wir sind die Zwei Spaßvögel rechts 🙂

Nach 4 Monaten, die wir durch Kambodscha gereist sind, gab es für uns jede Situation zwischen „ich hab die Nase voll“ und einer Art „verliebt sein“ in dieses Land. Es fällt mir schwer zu sagen: Kambodscha ist ein „Muß“ für jeden auf seiner Reise-To-Do-Liste. Empfehlen können wir es ganz sicher, wenn man sich auf Missverständnisse, Überraschungen und so manche Unbequemlichkeit einlassen kann und das vielleicht sogar sucht, genauso, wie großartiges Essen, herrliche Hotels, weiße Strände und faszinierende Tempelanlagen. Ja, es kann für jeden etwas dabei sein.
Wir wollten uns selber ein Bild machen von diesem Land und die Reise nutzen ein wenig zu „helfen“, bei einem der Projekte hier vor Ort in der Nähe von Battambang unterstützt von der „Kleinen Hilfsaktion e.V.“ aus Deutschland mit der Donation Drone: Luftbilder gegen Spende!

Viele unsinnige Projekte werden und wurden gestartet aber weitaus mehr können wirklich etwas Positives bewirken.


Kambodscha!

Ein Land für Backpacker, für Geschichtsinteressierte, für Asienfreunde, für Abenteurer, für Partysüchtige, für Wanderer, für Auswanderer, für Golfer, ja für wen denn eigentlich?

Das Königreich Kambodscha hat 16 Millionen Einwohner bei einer Fläche halb so groß wie Deutschland und liegt angrenzend an Laos, Vietnam und Thailand am Golf von Thailand.

Die Währung ist der Riehl aber bezahlt wird, vor allem bei größeren Beträgen üblich, in Dollar.
Die Hauptstadt ist Phnom Penh mit 3 Millionen oder 4 Millionen Einwohnern? Der Taxifahrer war sich da nicht so ganz sicher.
Die Kindersterblichkeit beträgt 31/1000 Geburten (im Vergleich Deutschland mit 3,8 / 1000 Geburten).
Das Klima in Kambodscha ist tropisch und vom Monsum geprägt. Da das Land nur 10 bis 12 Breitengrade vom Äquator entfernt liegt, gibt es kaum Unterschiede zwischen Sommer und Winter. In Kambodscha ist es sehr heiß. Selbst in den kühlsten Monaten sind die Tagestemperaturen noch um die 30 Grad.
Es gibt eine Regen und eine Trockenzeit. Die Regenzeit ist etwa von Mai bis September. Zwischen Dezember und Februar ist es weitgehend trocken.
Die Amtssprache ist Khmer, ca. 86% der Bevölkerung gehören der Volksgruppe der Khmer an.


Geschichte!

Nachdem Kambodscha sich von der Kolonialmacht Frankreichs befreit hatte, bildeten sich auf dem Land unterschiedliche Guerilla-Gruppen. Der kommunistische Herrscher Pol Pot vereinte diese verschiedenen Gruppierungen unter seiner Führung. Am 17. April 1975 marschierten die Soldaten der Roten Khmer als „Befreier“ unter Jubel vonseiten der Bevölkerung in Phnom Penh ein. Doch die jubelnde Stimmung verging schlagartig. Innerhalb von 2 Tagen wurde die gesamte Stadtbevölkerung aufs Land deportiert. Wer es schaffte, lebend in den eingerichteten Arbeitslagern anzukommen, wurde in Einheitskleidung gesteckt und zu langen Arbeitstagen auf dem Reisefeld oder zu anderen landwirtschaftlichen Arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen gezwungen. Auch kleine Kinder durften ab jetzt nicht mehr zur Schule gehen und mussten mitarbeiten.
Das Ziel von Pol Pot und seinen Truppen: Kambodscha mit Gewalt in einen kommunistischen Bauernstaat zu verwandeln. Dabei wurden systematisch u.a. auch Intellektuelle von den Roten Khmer ermordet. Später wurden Kinder zu Soldaten ausgebildet und zudem zum Aufspüren von Landminen missbraucht.
Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer dauerte bis 1978 an. In diesen Jahren starben schätzungsweise 3 Millionen Menschen an Hunger, Krankheiten, Folgen des Krieges und Landminen oder wurden von Pol Pot bzw. seinen Truppen ermordet.
Es gibt heute noch kaum eine Familie, die nicht eine Geschichte aus dieser Zeit zu erzählen hätte.
(P.S.: Geschichte ist leider nie so eindimensional, so dass mir bitte verziehen sei, wenn ich nicht auf all die anderen schrecklichen Interventionen durch Vietnam oder die Amerikaner hier eingehe.)


Die Landschaft!

Kambodscha mißt eine Fläche von ca. 180 km² und ist damit eines der kleinsten Länder Südost- Asiens. Seine Form ist fast rund. Im Norden grenzt Kambodscha an Thailand und Laos, im Westen an Thailand und im Osten an Vietnam. Kambodscha ist zu 70% mit Wald und Dschungel bedeckt. 5% des Landes bestehen aus Flüssen und Seen. Der Fluss Mekong und der See Tonle Sap sind die Hauptmerkmale der Landschaft. Die wichtigste Region ist das zentrale Plateau, das durch den Mekong fruchtbar geworden ist. Vor tausenden von Jahren war dieses Plateau eine große Bucht am pazifischen Ozean. Der Mekong hat diese Bucht im laufe der Zeit mit Sediment gefüllt und so eine fruchtbare Fläche erschaffen.


Märkte und Essen!

Der Lebensmittelmarkt ist gesellschaftlicher Mittelpunkt. Hier kauft man ein, sieht sich, plaudert miteinander, schließt Geschäfte ab. Unter freiem Himmel oder in Hallen untergebracht, sind sie immer bunt, laut und pulsierend.
Gemüse, Fleisch und Fisch werden dekorativ mit sehr viel Liebe zum Produkt appetitlich ausgelegt. Die meisten Auslagen ähneln Stilleben und verführen zum Kauf. Immer gibt es auch einen Garküchen-Bereich, der vor allem Einheimische lockt. Hier wird Reis gedämpft, köcheln Brühen vor sich hin und es werden mit Fleischbällchen gefüllte Teigtaschen angeboten. Fleisch und Meerestiere werden als Spieße über glühenden Briketts gegrillt, paniert in heißem Fett ausgebacken oder in Bananenblättern gedämpft.
Frische Khmer-Nudeln mit einer großen Vielzahl von Kräutern und Nüssen und einer süßsauren Sauce, gefüllte gelbe Pfannkuchen und frische Sommer- oder Frühlingsrollen, mit und ohne Fleisch. Am besten direkt vor Deinen Augen zubereitet.

Ananas oder grüne Mango wird mundfertig frisch geschält und geschnitten, dazu zum Dippen ein Gemisch aus Salz und Chili oder Zucker und Chili und natürlich Bananen satt.
Aber auch wer Süßes mag kommt hier nicht zu kurz. Da gibt es überall die frittierten Bananen und verschiedenen aus Kokosmilch bereiteten Süßspeisen, wunderbar bunt mit frischen Kokosraspeln oder in einer Kokosmilch serviert, aber auch allerlei verschiedene süße Reisspeisen oder Kokoskuchen.
Es darf geschlemmt werden!


Unsere Brompton Falträder und der Straßenverkehr und das Fahren mit dem Fahrrad!

Warum macht man so eine Reise mit dem Fahrrad, wenn es doch auch günstig und viel schneller und komfortabler mit einem Auto geht?
Ein Reisender hat zu uns mal gesagt: „Das Fahrrad ist schnell genug um durch den Wald zu kommen, aber langsam genug um die Bäume zu sehen“.
Und so ist das auch auf unserer Reise. Man spürt das Land, man riecht es, man kann in Augenkontakt zu den Menschen treten, man kann jederzeit halten, wenn man etwas Besonderes entdeckt.
Für die Brompton Falträder haben wir uns dieses Mal entschieden um z.B. beweglicher in den Städten zu sein, in sogenannte Homestays in schwimmende Dörfer zu gelangen oder auch mal schnell mit dem TukTuk zu einem anderen Ort zu fahren. Einfach zusammen falten und schon kann man sie überall mitnehmen.
Der Nachteil ist die natürlich Anstrengung, aber auf dieser Reise hatten wir uns eh kürzer Etappen vorgenommen (max. 70 km am Tag).
Es gibt aber noch einen ganz wichtigen Vorteil, der diese Räder unersetzlich macht:
ein Brompton bringt die Menschen zum Lachen!
Hier in Kambodscha kann man mit einem Brompton die Menschen zum Lachen und Staunen bringen. Klaus ist mit seinen 1,93 recht gross, für kambodschanische Verhältnisse aber riesig. Es muss für die Menschen hier wohl ein sehr, sehr lustiger Anblick sein, wenn ein so grosser Mensch auf einem winzigen „Kinderfahrrad“ zügig die Strasse entlang radelt. Sie brechen spontan in Lachen aus, wenn wir an Ihnen vorbei fahren und schicken uns Rufe hinterher, die wir zwar nicht verstehen, aber die sehr fröhlich klingen.
Klaus zieht dann noch einen selbstgebauten Anhänger hinter seinem „Kinderfahrrad“ her und der weckt besonderes Interesse. Immer gehen ihre Blicke dort hin und sie zeigen mit dem Finger darauf. Was uns eigentlich überrascht, denn in punkto „abenteuerliche, selbst zusammengeschweisste Objekte zum Transport von Waren und Personen“, kann ihnen hier niemand das Wasser reichen. Vermutlich sieht unsere würfelförmige, silbern glänzende Kiste einfach sehr geheimnisvoll aus.
Wenn wir irgendwo Halt machen, um einen Kaffee zu trinken oder eine Ananas mit Chilli und Salz zu essen, werden die Bromptons genau untersucht. Sie deuten hier und da auf die verschiedenen Teile und erklären sich gegenseitig, was es damit auf sich hat.
Dann machen wir immer gerne eine kleine Vorführung. Wie ein Zauberkünstler faltet Klaus zuerst das Hinterrad unter den Rahmen. Das gibt schon mal ein grosses Hallo. Wenn sich alle wieder beruhigt haben, wird der Rahmen zusammengefaltet. Wahnsinn! Dann den Sattel rein und den Lenker umgeklappt. Das Publikum tobt! Sie lachen, rufen, nehmen das klein gefaltete Brompton in die Hand und laufen damit herum. Dann falte ich alles wieder auseinander, voila: ein Fahrrad.

Der Strassenverkehr ist übrigens gewöhnungsbedürftig, aber ehrlich, ich finde ihn in Berlin auch nicht einfach und hier, da macht es zumindest meistens richtig Laune sich durch den Verkehr zu schlängeln und dabei keinen „Kopfschüttlern“ oder „Verkehrserziehern“ zu begegnen.
Erstaunlich, wie viel Rücksicht hier genommen wird, wie gut der Verkehr fließt.
Dennoch, ungeteilte Aufmerksamkeit ist hier ein Muß.
Noch mehr Informationen zu dem Radeln mit einem Brompton Faltrad in Kambodscha findet ihr über den Planet Brompton Blog!


Reiseroute!

Wir flogen nach Bangkok und reisten von dort in 6h mit einem Zug zur Grenze nach Kambodscha und überquerten diese nach Poipet. Unsere erste Nacht in Kambodscha. Die Straßen sind staubig, alles wie in Sepia getaucht.
Es ist warm, stickig.
Wir haben keine Idee, was auf uns zukommt. Werden wir ausgeraubt, überfallen? Kann man hier überhaupt Fahrrad fahren? Wir lernen ein paar Worte Khmer mit unserem Sprachführer, kaufen die ersten unbekannten Leckereien auf der Straße und müssen schon am nächsten Tag feststellen: die Sonne brennt unerbittlich vom Himmel, wir brauchen ein Hemd mit langen Ärmeln.
Die ersten Etappen führen uns nach Sisophon wo uns ein deutsches Paar rät, die Route am Fluß zu nehmen über eine Dirt-Road, eine der typischen, roten Sandstraßen.
Wir sind in Kambodscha!
Die Menschen sind neugierig, lachen viel über uns und staunen nicht schlecht, was wohl in der Kiste hinter dem Anhänger sein mag.
Es geht weiter mit ein paar Stopps nach Battambang. Mehr Touristen, mehr Expats, mehr Bekanntes. Wir haben ein kleines Zimmer mit Ventilator auf dem Dach eines Hotels, aber ohne eigenes Bad. Egal, immerhin sind wir über den Dächern der Stadt.
Wir bleiben relativ lange, da wir uns einiges zu den Projekten der „Kleinen Hilfsaktion e.V.“ anschauen möchten.Unter anderem kommen wir dabei auf eine Müllkippe auf der Menschen leben und Kinder arbeiten.
Dann ist es Zeit weiter zu reisen. Über Pursat geht es weiter nach Krakor zu einem Floating Village am Tonle Sap See, auf dem wir 2 Nächte bleiben. Unsicher, ob wir das mit dem Wasser überstehen ohne krank zu werden. Denn eine Kanalisation oder Anbindung an Wasser gibt es hier natürlich nicht. Aber dafür jede Menge schwimmende Häuser, die auf Grund des sich verändernden Wasserspiegels nun neu sortiert werden. Ständig wechselnde Nachbarn und neue verrückte Eindrücke, denn natürlich leben auch Schweine, Hunde und Katzen, Hühner und Hähne sowie Gänse auf den schwimmenden Häusern. Wir „überleben“ die 2 Nächte.
Weiter geht es nach Kampong Chhnang, wo wir uns mit dem Fischfang beschäftigen und schließlich nach Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas mit 3 oder 4 Millionen Einwohnern, man weiß es nicht so genau.

Nächster Reisestopp wird eine Insel vor Sihanoukville: Koh Rong Sanloem.
Eine Insel mit Stränden und fast undurchdringlichen Dschungel.
Zurück nach Phnom Penh nehmen wir den Zug und bleiben dieses Mal ein paar Tage um uns mehr mit der Geschichte des Landes und den Roten Khmer zu befassen.
Nehmen uns Zeit auf einem der 300 Killing Fields in Kambodscha und in dem wohl bekanntesten Foltergefängnis „S-21“.

Und jetzt sind wir hier. In diesem kleinen Dorf am Mekong, in Kampong Cham.
Hier hat gerade der Nachmittagsunterricht begonnen. Kinder in Uniformen kommen direkt aus den staatlichen Schulen hierher, für Extra-Unterricht, andere nutzen diese Schule um überhaupt einen Unterricht zu bekommen.
Quirliges buntes Leben, wie auf einem Schulhof in Deutschland auf dem Land.

Vom Mekong aus geht es dann weiter Richtung Angkor Wat und schließlich am 15. März zurück nach Bangkok.

 


Und wie war nun unsere Reise?

Ein Abenteuer!

Streetart (ein Hut auf dem sandigen Weg)

Wir haben viel gelacht, waren nachdenklich, schockiert und überrascht, 2 Stürze (nicht mit dem Fahrrad) haben uns zur Langsamkeit gezwungen. Wir haben geflucht, geschwiegen, entdeckt, geschlemmt und uns gewundert.
Eine Art Expedition in das Unbekannte.
Ein Abenteuer war es, aber war es eine risikoreiche Reise?
Aus Zweierlei Gründen eher nicht:
erstens hätten wir jederzeit abbrechen und zurück nach Hause gekonnt und zweitens sind wir auf der ganzen Reise von Menschen umgeben, die uns zu jeder Zeit hilfreich zur Seite standen, auch wenn es vielleicht nur darum ging eine Mahlzeit ohne Fisch und Fleisch zu bekommen (wir sind Vegetarier und das ist nicht ganz leicht in den ländlichen Gegenden).
Manchmal klappt es einfach nicht mit der Verständigung, da hilft dann vielleicht ein Bild 🙂

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